Mittwoch 16. Mai 1917
L.L. Lieber Doctor Grotte! Das Couvert des Briefes
an Sie, den ich vorgestern Montag aufgegeben habe wurde schmutzig, dass
kam so. Es war 1/2 11 Uhr und ich wolte schlafen gehen, ich sagte
dem Vater „Gute Nacht” Mutter und der Jüngling standen neben mir,
Ihren Brief hielt ich in der Hand. „Also Vater, wir fahren Mittwoch nach
Sieghartskirchen” Vater: „Ich fahre nicht, die Mutter soll mit Dir fahren” „Die
Mutter darf nicht fahren” „So warum nicht?” „Weil sie sich zu sehr aufregt
Herzleidend und Zuckerkrank ist, sie darf nicht fahren” Vater: „Aber sie
soll nur fahren” Bei dieser Antwort fühlte ich wie mir das Herz stehen
blieb, ich machte noch zwei Schritte auf meine Mutter zu und sagte: „mir
wird schlecht” dann hörte ich noch meine Mutter rufen „so helft mir
doch, ich kann sie nicht länger halten” und dann fiel ich zu Boden.
Das erste was ich wieder hörte, war die Stimme des Arztes: „Beruhigen
sie sich Frau Obertimpfler, eben fängt der Puls wieder an” Der Arzt sagt,
es war eine sehr tiefe Ohnmacht, mit völliger Bewusslosigkeit. Die Mutter
sagt sie glaubt 10 Minuten hat es gedauert bis der Arzt kam. Ich kann
mir das nicht denken, er war doch im Spielzimmer. Ich habe sehr gelacht
wie mir die Mutter erzählte, sie konnte mich nicht halten, und der
Jüngling stand dabei wie gelähmt vor Schrecken u. rührte sich nicht
und Vater drehte sich einfach um und ging weg. So blieb ich einfach
liegen. Dann legten sie mich auf eine Bank und der Doctor Berger
(Zahnarzt) sass bei mir bis 12 Uhr. Wie mir schon besser war, kam
der Vater und sagte „Bitte fühlen sie meinen Puls, ich habe mich
L.L. Lieber Doctor Grotte! Das Couvert des Briefes
an Sie, den ich vorgestern Montag aufgegeben habe wurde schmutzig, dass
kam so. Es war 1/2 11 Uhr und ich wolte schlafen gehen, ich sagte
dem Vater „Gute Nacht” Mutter und der Jüngling standen neben mir,
Ihren Brief hielt ich in der Hand. „Also Vater, wir fahren Mittwoch nach
Sieghartskirchen” Vater: „Ich fahre nicht, die Mutter soll mit Dir fahren” „Die
Mutter darf nicht fahren” „So warum nicht?” „Weil sie sich zu sehr aufregt
Herzleidend und Zuckerkrank ist, sie darf nicht fahren” Vater: „Aber sie
soll nur fahren” Bei dieser Antwort fühlte ich wie mir das Herz stehen
blieb, ich machte noch zwei Schritte auf meine Mutter zu und sagte: „mir
wird schlecht” dann hörte ich noch meine Mutter rufen „so helft mir
doch, ich kann sie nicht länger halten” und dann fiel ich zu Boden.
Das erste was ich wieder hörte, war die Stimme des Arztes: „Beruhigen
sie sich Frau Obertimpfler, eben fängt der Puls wieder an” Der Arzt sagt,
es war eine sehr tiefe Ohnmacht, mit völliger Bewusslosigkeit. Die Mutter
sagt sie glaubt 10 Minuten hat es gedauert bis der Arzt kam. Ich kann
mir das nicht denken, er war doch im Spielzimmer. Ich habe sehr gelacht
wie mir die Mutter erzählte, sie konnte mich nicht halten, und der
Jüngling stand dabei wie gelähmt vor Schrecken u. rührte sich nicht
und Vater drehte sich einfach um und ging weg. So blieb ich einfach
liegen. Dann legten sie mich auf eine Bank und der Doctor Berger
(Zahnarzt) sass bei mir bis 12 Uhr. Wie mir schon besser war, kam
der Vater und sagte „Bitte fühlen sie meinen Puls, ich habe mich