Gruss
an Max Devrient
zu seinem siebzigsten
Geburtstag.
12. E. 86 st. New
York city
25/XII 1927
Ob Meeresweiten mich von Dir zur Stund' auch trennen,
so fühl' ich trotzdem mich im Geiste Dir heut' nah.
ich sehe siebzig Lichter auf der Torte brennen
zu Ehren des Geburtstag-Kinds. - Wie es geschah,
dass sich der Jahre Zahl so heimlich hat gerundet,
dünkt allen Deinen Freunden und Dir selbst ein Traum.
Wer solchen freud'gen Thatendrang wie Du bekundet,
giebt nur der Arbeit, - nicht der Zeitbetrachtung Raum.
Wenn - ungezählt - die Jahre Deinen Scheitel bleichten,
Dein froher Sinn, Dein Geist, Dein Herz blieb trotzdem jung.
Die Augen immer noch mit mildem Feuer leuchten,
der Rede leih'st Du, - der Gebärde edlen Schwung.
Der Jugend Attribute kannst Du leicht vermissen;
dem Fürsten, Herrscher - Kaiser stehet Würde an.
Wenn Dich die Leute auf der Strasse herzlich grüssen,
so gilt es Dir - doch wohl auch Habsburgs grossem Ahn,
dem Philipp, Macbeth, Lear und anderen Gestalten,
die Deine hohe Kunst vor uns erstehen liess.
Drum bleibe uns und Deinem Werk noch lang erhalten!
Ob unsichtbar - es zieret Dich das gold'ne Vliess!
Im Alltagskleid, in Freud' und Leid [:s'war nicht zu wenig!:]
erscheinst Du Deinen Freunden: jeder Zoll ein König!
Adolf Lorenz
an Max Devrient
zu seinem siebzigsten
Geburtstag.
12. E. 86 st. New
York city
25/XII 1927
Ob Meeresweiten mich von Dir zur Stund' auch trennen,
so fühl' ich trotzdem mich im Geiste Dir heut' nah.
ich sehe siebzig Lichter auf der Torte brennen
zu Ehren des Geburtstag-Kinds. - Wie es geschah,
dass sich der Jahre Zahl so heimlich hat gerundet,
dünkt allen Deinen Freunden und Dir selbst ein Traum.
Wer solchen freud'gen Thatendrang wie Du bekundet,
giebt nur der Arbeit, - nicht der Zeitbetrachtung Raum.
Wenn - ungezählt - die Jahre Deinen Scheitel bleichten,
Dein froher Sinn, Dein Geist, Dein Herz blieb trotzdem jung.
Die Augen immer noch mit mildem Feuer leuchten,
der Rede leih'st Du, - der Gebärde edlen Schwung.
Der Jugend Attribute kannst Du leicht vermissen;
dem Fürsten, Herrscher - Kaiser stehet Würde an.
Wenn Dich die Leute auf der Strasse herzlich grüssen,
so gilt es Dir - doch wohl auch Habsburgs grossem Ahn,
dem Philipp, Macbeth, Lear und anderen Gestalten,
die Deine hohe Kunst vor uns erstehen liess.
Drum bleibe uns und Deinem Werk noch lang erhalten!
Ob unsichtbar - es zieret Dich das gold'ne Vliess!
Im Alltagskleid, in Freud' und Leid [:s'war nicht zu wenig!:]
erscheinst Du Deinen Freunden: jeder Zoll ein König!
Adolf Lorenz