Loos, Lina: Brief an Gustav Grotte. o.O., 4.4.1918
Lieber Doctor Grotte!
4. April 18
Donnerstag Abend, kam noch Fränkel Egon, B.
Freitag, Vormittag bis 5 Uhr Sievering in der
Sonne am Balkon gelegen. Abends N. W. Bühne
„Arzt am Scheideweg” mit Egon, der Theaterkritiker
der Zeitschrift „Der Merker” geworden ist.
Um 1/2 12 zu Bett. Im Café wurde ich am Abend
vor Müdigkeit ganz heiser
Freitag Vormittag eine Stunde spatzieren
mit B. auf der Mariahilferstrasse. Mittag bei
Mutter, Nachmittag bis 5 geschlafen Abends gieng
ich für das Theater angezogen in das Café,
ich sollte mit Egon in das Volktheater gehen,
es kam keine Karte. Dr. Berger frug mich
wo ich hingehe, ich sagte ich wolte in's Theater,
habe aber keine Karte, da sagte er „Kommen
sie mit zur Trude Voigd.” Und ich ging, oh
hätte ich es nie gethan. Es war schrecklich,
die Schauspielerin Hetschey und ein Ehepar
war noch oben. Fürchterliche ordinärheiten
der Voigd gegen Dr. Berger. Stundenlange
allgemeine Gespräche über Kartenpartien.