Loos, Lina: Brief an Gustav Grotte. o.O., 3.4.1918
Ich habe zu Fr. Fr. gesagt, wenn sie Carl liebt
und der Carl ihr gesagt hat, dass er sie auch
liebt, soll sie auf die Mila keine Rücksicht
nehmen, sondern um ihre Liebe kämpfen!!
Ich kenne mich absolut nicht mehr aus,
ich glaube nur, dass ich mit den Dingen die
ich gestern gesagt habe, eine heilose Verwirrung,
in's fantastische gesteigert habe.
Leider habe ich Ihnen damals über die
Ausprache mit Carl im Stadtpark nicht
alles geschrieben, weil das einfach nicht
möglich ist, man kann doch nicht jedes
Wort schreiben, und es wäre doch jetzt
wichtig mich auf alles zu berufen.
Er sagte zum Beispiel: „Diese Frau macht mich
so geil, das ich nicht weis wie ich in ihrer
Gegenwart sitzen soll” u. s. w. Auch sagte
er noch manches, was ich wirklich in einem
Brief nicht schreiben konnte.
Ich stehe jetzt auf. Ich habe zu Mutter gesagt,
wenn ich noch 8 Tage im Bett bleibe, kann ich
überhaupt nicht mehr aufstehen, das Bett zehrt
mich auf. Ich muss mich zwingen in Davos
haben mich auch die Ärzte gezwungen, es ist
eine grosse Gefahr.
Ich habe Sonntag Montag und heute einen
Brief geschickt, haben Sie alles erhalten?
Lermontoff habe ich geschickt. Ihre Lina
[seitlich:] Ich bin so glücklich, dass ich Ihnen das Alles schreiben kann !!!