Loos, Lina: Brief an Gustav Grotte. o.O., 24.3.1918
Ich habe Steiner, ich glaube Freitag zum letzten
mal gesehen, er ist abgereist ohne sich von
mir zu verabschieden, was mich sehr kränkt.
Dann sind wir noch zu Preyer gegangen
haben dort Schinken gegessen. Herr Porges
hat mir dort erzählt, dass Ihre Schwägerin
ein Mäderl bekommen hat (meine Füllfeder
schreibt nicht mehr) dass es ihr aber garnicht
gut geht, sie hat hohes Fieber. Nun muss
ich Ihnen etwas sehr schlechtes über
mich schreiben. Ich dachte mir: „Wenn
sie sterben würde, vielleicht bekäme
der Dr. Grotte Urlaub” Verwarf natürlich
sofort diese hässlichen Gedanken, aber
dass es mir überhaupt in den Sinn
kommen könnte? Ich muss es Ihnen
beichten.
Fr. Fr., B, und ich, sprechen natürlich
nur mehr über Dinge ganz ausser=
halb von uns selbst.
Um 6 Uhr bin ich schon schlafen ge=
gangen und schlief von 6 Uhr bis
um 7 Uhr früh! Jetzt ist es Montag
früh 8 Uhr.
Mein lieber lieber Doctor Grotte
ich bin
Ihre Lina
Mir geht es wieder recht gut!