Loos, Lina: Brief an Gustav Grotte. o.O., 4.3.1918
4. März 1918
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Lieber Doctor Grotte!
Sonntag Vormittag und Mittag und Nachmittag bei Mutter
in der Wohnung. Mutter hat Halsschmerzen mit Schluck=
beschwerden. Um 1/2 6 Uhr bin in's Cafehaus hinunter
gegangen. Vater brachte mir Kramer an den Tisch.
Einen Teil unseres Dialoges zur Kostprobe: Ich: „Herr
Kramer können sich nicht mehr an mich erinnern?
Wir haben einmal zusammen, auf Proben, gespielt,
im Volkstheater.” Er: „Ich kann mich nicht erinnern,
welches Stück? Ich: „Es ist freilich schon 15 Jahre her,
„Ruhmlose Helden”. Er: „An sie kann ich mich nicht
erinnern, an das Stück schon. Aber sie sehen entschieden
jünger aus als damals, ich würde sie für 18 Jahre
halten. Ich: Selbstverständlich Er: ? (Theaterblick )
Ich: Selbstverständlich, eine Frau die man 15 Jahre
nicht gesehen hat, sieht immer jünger aus!”
Er. Nein, mein Wort, wenn ich jetzt hier auf der
Folter gespannt läge, ich könnte nichts anderes
sagen als als als 20” u. s. w. Gut
erzählt sagt man dann „als als 29”
Dann ist es sogar ein Witz.
Um 1/2 7 fuhr ich zu Ihrer Schwester, dort traf
ich Egon. Auch Ihre Mutter war dort , sie beklagte
sich sehr, dass Sie ihr nicht zu ihrem Geburtstag
geschrieben haben.