1. Mai 1918
Lieber Doctor Grotte!
Beiliegenden Brief habe ich heute an Frau Fr.
geschrieben, aber wie Sie sehen, nicht abgeschickt.
Heute Vormittag im Café wolte ich nach hinten
gehen und ein Packet im Kasten einsperren. Da
lag auf der Bang ein alter Stammgast von uns, dem
man vor kurzem eine Niere heraus genommen hat. Nun
wurde im schlecht im Café. Ich sprach mit ihm und
sagte: „Ich hatte keine Ahnung das sie da liegen, sonst
hätte ich sie nicht gestört. Sie werden bestimmt wieder
gesund werden. Ich wolte nur da im Kasten ein Packet
einsterben!”
Was dachte sich wohl mein Unterbewusstsein?
Dann war ich in der Garderobe im Theater bei der Traute,
Kleider ausprobieren. Mittag zu hause. Nachmittag ge=
schlafen bin mit starken Kopfschmerzen erwacht. Nach
Sievering gefahren. Die Kopfschmerzen steigerten sich bis 12
Uhr Nachts rasend. Dann habe ich mich fest übergeben,
und gut geschlafen bis Morgens.
Donnerstag früh Meierei, bin wieder ganz
wohl. Tagsüber in meiner Wohnung. Abends in die
Stadt gefahren und mit Egon in die Sudermann
Première gegangen. Volkstheater, Carl und Traute haben gespielt.
Sehr langweilig. Nachher in der Casa, die gewöhnliche
Gesellschaft, nur der Redacteur Schidrowitz war noch dabei.
Freitag den ganzen Tag bei der Mutter in der Wohnung um
8 Uhr in das Café, wo ich Fr. Fr. und B. vorfand. Fr.
Fr. begleitete ich dann allein ein Stück Wegs in die Stadt,
sie erzählte nur viel von merkwürdigen Stimmungen
die sie in Carl. A.s Gesellschaft hätte, ich habe kein Wort ver=
standen. In der Stadt geschlafen. Heute Samstag
Vormittag in die Meierei und Mittag Mirabell mit B.,
da gab es seit langem wieder einmal viele Tränen.
Sonnenbad. Nun ist es Abend ich schreibe an Sie, bleibe
heute Nacht in Sievering, und bin Ihre Lina
Lieber Doctor Grotte!
Beiliegenden Brief habe ich heute an Frau Fr.
geschrieben, aber wie Sie sehen, nicht abgeschickt.
Heute Vormittag im Café wolte ich nach hinten
gehen und ein Packet im Kasten einsperren. Da
lag auf der Bang ein alter Stammgast von uns, dem
man vor kurzem eine Niere heraus genommen hat. Nun
wurde im schlecht im Café. Ich sprach mit ihm und
sagte: „Ich hatte keine Ahnung das sie da liegen, sonst
hätte ich sie nicht gestört. Sie werden bestimmt wieder
gesund werden. Ich wolte nur da im Kasten ein Packet
einsterben!”
Was dachte sich wohl mein Unterbewusstsein?
Dann war ich in der Garderobe im Theater bei der Traute,
Kleider ausprobieren. Mittag zu hause. Nachmittag ge=
schlafen bin mit starken Kopfschmerzen erwacht. Nach
Sievering gefahren. Die Kopfschmerzen steigerten sich bis 12
Uhr Nachts rasend. Dann habe ich mich fest übergeben,
und gut geschlafen bis Morgens.
Donnerstag früh Meierei, bin wieder ganz
wohl. Tagsüber in meiner Wohnung. Abends in die
Stadt gefahren und mit Egon in die Sudermann
Première gegangen. Volkstheater, Carl und Traute haben gespielt.
Sehr langweilig. Nachher in der Casa, die gewöhnliche
Gesellschaft, nur der Redacteur Schidrowitz war noch dabei.
Freitag den ganzen Tag bei der Mutter in der Wohnung um
8 Uhr in das Café, wo ich Fr. Fr. und B. vorfand. Fr.
Fr. begleitete ich dann allein ein Stück Wegs in die Stadt,
sie erzählte nur viel von merkwürdigen Stimmungen
die sie in Carl. A.s Gesellschaft hätte, ich habe kein Wort ver=
standen. In der Stadt geschlafen. Heute Samstag
Vormittag in die Meierei und Mittag Mirabell mit B.,
da gab es seit langem wieder einmal viele Tränen.
Sonnenbad. Nun ist es Abend ich schreibe an Sie, bleibe
heute Nacht in Sievering, und bin Ihre Lina