Loos, Lina: Brief an Gustav Grotte. o.O., 24.9.1918
Für die zwei Briefe vom 20. Sept vielen
vielen Dank. Die beiden ersten Blätter dieses
Briefes habe ich Mutter lesen lassen, sie sagte
„sehr gut” wird aber den Mut mit Vater zu sprechen
nicht finden. Sie sagte gestern zu mir, sie hätte
vor dem Altar geschworen, ihrem Manne unter=
tänig zu sein! Dann spricht sie wieder von
der Conzession, wehm die gehören soll, Carl Traute
und ich können ihr nicht verständlich machen,
dass es so etwas dort nicht gibt. Sie ist
doch schon sehr alt Dr. Grotte und ich be=
komme Angst mit ihr etwas zu unternehmen
Ich habe in Ihre Bank 1000.- Kr eingelegt,
ich habe sie gefunden, nicht die 1000.- Kr
aber die Bank. Für das neue Kisterl meinen
herzlichsten Dank im Voraus. Gestern Abend war
ich mit Mutter im Café Central, der Mutter gefällt
es dort so gut. Es sassen bei uns „Frau Frankel
Herr Neurath, Bogyanski, seine Schwester, seine
Nichte, Frl. Huppert.” Ich bekam dort plötz=
lich einen starken Blasenanfall heute ist es
wieder gut. Morgen habe ich Waschtag.
Sie schreiben fast nie, wie es Ihnen geht,
was Sie machen.
Viel haben wir in diesen 5 Jahren zu=
sammen erlebt! Nur ein Faden geht
unberührt durch diese Jahre, wenn
er doch niemals reissen würde.
Ihre Lina