Loos, Lina: Brief an Gustav Grotte. o.O., 28.2.1918
Freitag Vormittag Sezession, Bilder von Gütersloh, Schiele u. s. w. ange=
sehen mit Herrn Steiner. Mittag gegessen mit ihm im Höller.
Nachmittag bin ich nach Sievering gefahren, Besorgungen, neuer
Einkaufschein u. s. w.
Um 6 Uhr Besuch von Herrn Steiner, ich hatte eingeheizt aber
es war so kalt sehr ungemüthlich, lange Gespräche über
moderne Malerei. Abends in der Bilsenitzer gegessen, dann
wieder in die Casa.
Bei der Mutter geschlafen.
Samstag Vormittag bei der Mutter. Mittag mit Herrn Steiner
Pilsenitzer gegessen, Mutter hatte kein Fleisch bekommen.
Bis 6 Uhr im Café. Dann nach Sievering. Jetzt ist es
9 Uhr ich sitze in der Küche, habe mir den Kopf ge-
waschen, und bin vollkommen erschöpft, ich hatte
zu wenig Ruhe d. h. ich bin zu wenig allein gewesen. (In den letzten Tagen)
Mittag bin ich bin ich bis 3 Uhr im Gasthaus gesessen,
weil wir über Krieg und die Deutschen gesprochen haben.
Nun sind wir beide einwenig verstimmt.
Jetzt nur noch vielen Dank für Ihren lieben
Brief.
Was Sie damals nach Ihrem Urlaub geschrieben haben,
ist sehr schön. Wieso konnten Sie aber doch die Karte
an die Baronin schreiben?
Nun gehe ich schlafen, den Brief kann ich erst
Morgen aufgeben, und zwar in Wien, in Sievering
will ich nicht.
Aber Sie haben ja an meinem letzten Brief
lang genug zu lesen gehabt.
Ich bin Ihre Lina