Lucka, Emil: Brief an Franz Servaes. Wien, 25.2.1916
WIEN
IX/1 ROSSAUERGASSE 4.
25/2. 1916
[andere Hand:] 54
Lieber Franz!
Dein Brief hat mich mächtig ergriffen!
Dass Du in dem Kapitel über das Tragische soviel
findest, ist mir unendlich wichtig und ich habe es
kaum erhofft, denn gerade hier liegt der Mittel-
punkt meines Fühlens und Denkens über die
Welt. Von hier aus bekommt alles andere wie
ein Abgeleitetes Licht und wird mir verständlich.
Welche Freude, Dich mir so verwandt zu wissen, dass
Du diesen ewigen Zwiespalt Freiheit - Gebundenheit
in dem selben Sinne empfindest, dass Du billigen
kannst, was ich nicht etwa ausgeheckt habe, sondern
im Tiefsten als Weltproblem fühle und selber mit
bin! - Seltsam, als ich Deinen Brief las, wusste