Lucka, Emil: Brief an Franz Servaes. Mauterndorf <Lungau>, 16.6.1927
Meine Frau Trude kenne ich seit 20 Jahren, damals
war sie ein kleiner lustiger Backfisch mit Hängezöpfen,
der sehr viel weinte, weil ihn nämlich die mehr
Erwachsenen nicht ernst nehmen wollten. Sie ist so
gut und lieb und herzlich, dass ich sicher bin, das Rechte
getan zu haben. Wie sie aussieht, könntest Du als
Kunsthistoriker eigentlich wissen, denn als Du vor Jahren
einmal bei mir in Wien warst, wies ich auf die
kleine Abbildung der Dürerischen Madonna aus dem
Wiener Museum und sagte Dir: das ist die Photographie
meiner Braut. Du wolltest es nicht glauben, aber es
ist doch wahr gewesen! Felix Braun hat seinen Kursus
gut studiert und sogleich, als er Trude sah, erkannt,
wo sie im Museum hängt.
Lieber Freund, schreibe mir wieder
einmal unliterarisch, wenn Du nichts Besseres zu tun
hast, und grüße von Herzen Deinen Sohn und Deine Frau!
Herzlichst Dein
Emil Lucka