Lucka, Emil: Brief an Franz Servaes. Wien, 24.9.1924
Hier tue ich so ziemlich nichts und genieße
die Freuden des Pensionisten. Dagny möchte ich
riesig gern bald einmal sehen, habe ihr auch
geschrieben, aber sie gab mir noch keine Antwort.
Hoffentlich komme ich bald mit ihr zusammen und
finde auch Gelegenheit, sie auf der Bühne zu
sehen, womöglich nicht in einem der schon
wieder unvermeidlich gewordenen französischen
Stücke.
Du wirst wissen, dass der arme Leo Feld,
den Du im Sommer getroffen hast, auf der
sein Leben lang ersehnten Reise nach Rom in
Florenz nach einer Krankheit von zwei
Tagen – unklar was es war, Typhus oder
eine Vergiftung oder was sonst – gestorben ist.
Seine ältere bedauernswerte Schwester, die mit
ihm war und die kein Wort italienisch versteht,
musste ihn dort verbrennen lassen. E[r/s] tut
jedem sehr leid, mir besonders, weil ich Dir
noch zuletzt ein wenig freundliches Wort über
ihn geschrieben habe, er war im Grund ein
guter und braver Mensch, der es mit jedem
gut gemeint hat. Seine Frau und Schwester sind
ganz verzweifelt.