Lux, Joseph August: Brief an Richard von Kralik. o.O., 5.2.1932
VERBAND
KATHOLISCHER SCHRIFTSTELLER ÖSTERREICHS
UNTER DEM HOHEN PROTEKTORAT DES HERRN KARDINAL ERZBISCHOF DR. FRIEDRICH GUSTAV PIFFL
EHRENPRÄSIDENT DR. RICHARD VON KRALIK. / PRÄSIDENT: JOSEPH AUG. LUX, ANIF-SALZBURG UND WIEN
5. 11. 1932
Mein sehr Verehrter,
ich danke für Ihre Mitteilungen
und möchte daran erinnern, dass ich im vergangenen Monat Dezember namens
unseres Verbandes eine grosse Protestkundgebung gegen die spanischen Greuel
im Madrider Blatt El Debate veröffentlich habe, die auch Ihre Unterschrift
trug und in der Reichspost, sowie in anderen Blättern in voller Ausführlich-
keit abgedruckt war. Ich habe schon damals im besonderen auf den Jesuiten-
orden und seiner ungerechten Verfolgung hingewiesen. Der Inhalt dürfte
Ihnen wohl noch in Erinnerung sein. Vielleicht sind Sie so lieb, Ihre Korrespondenten in diesem Sinne
zu informieren.
Es freut mich sehr, dass die Dichterabende unseres
Verbandes in Ihrem Hause den erwünschten und erfolgreichen Fortgang
nehmen. Sie sagen in Ihrem lieben Schreiben, dass ich für März den Herrn
Picha aufs Programm gesetzt hätte. Das dürfte wohl auf Irrtum beruhen. Sie
meinen vielleicht den Herrn Regierungsrat Klieba, den ich ursprünglich für
den Jännerabend vorgesehen, und den ich nachträglich im Einverständnis mit
Ihnen auf den Märzabend verlegt habe, dies besonders mit Rücksicht auf die
Goethefeier. Herr Klieba will einen kurzen Ueberblick und vielleicht einige
Leseproben aus seinem Drama "Charlotte von Stein" geben, was Anregung zu
einer hübschen Diskussion geben dürfte. Ich denke mir dabei insbesonders,
dass es Ihnen Anlass gibt, sich anlässlich der Hundertjahrfeier in ausführ-
licherer Weise über den deutschen Dichterfürsten auszusprechen, was ich
überaus interessant fände. Vielleicht darf ich Sie auch in diesem Zusammen-
hang auf meinen Artikel im Neuen Wr.Journal vom Sonntag den 10.Jänner dJ.
"Besuch bei Goethe und Grillparzer im Himmel" aufmerksam machen, der etwa
der Erinnerns wert wäre. Jedenfalls habe ich dort einige prinzipielle Ge-
sichtspunkte vermerkt.