Lux, Joseph August: Brief an Karl Kraus. Großgmain, 26.10.1918
literarische und künstlerische Rechtssicherheit ist, sehr freuen, wenn ich
auf Ihre wertvolle Unterstützung rechnen könnte. Ich denke daran,
in diesem Interesse nicht nur persönlicher sondern auch allgemeiner Natur
den ganzen Hergang mit allem Beweismaterial und insbesonders den
zahlreichen Briefen an sämtliche „neue Herren“ des Burgtheaters zu
veröffentlichen, wobei ich bemerke, dass der Umfang so ziemlich ein
ganzes Heft von der normalen Stärke der Fackel füllen würde. Wenn der
Process im Gange ist, muss freilich von jeder Veröffentlichung Abstand
genommen werden; aber nachher steht meinerseits nichts im Wege, auch
dann nicht, wenn der Process durch Ausgleich, bezw. Nachgebigkeit des
Burgth. vermieden wird. Von dieser Nachgebigkeit bin ich nicht überzeugt,
meine bisherigen Erfahrungen lassen es nicht zu. Ich habe im gütlichen
Wege das Menschenmögliche versucht, aber bei diesem Theater zu den 14 Nothelfern
griff man beständig in die Luft; immer kam ein anderer zum
Vorschein als der Angerufene und so ergab sich eine geharnischte
Briefserie an fast alle Glieder der Leitung, der Intendanz und des
Obersthofmeisteramtes mit dem Ergebnis, dass das Gericht und das
öffentliche Gewissen gegen die Perfidie eines Vertragsbruches durch
passiven Widerstand, der so recht bezeichnend ist, angerufen werden muss.
Diese vorläufigen Mitteilungen sollen Diskretionssache bleiben, denn sie
bezwecken vorerst die vertrauliche Frage, ob ich Sie in dieser Sache principiell
auf meiner Seite stehen,
wie ich sehr vertraue!
In alter Verehrung Ihr aufrichtig ergebener
Joseph Aug. Lux.