Madjera, Wolfgang: Brief an Friedrich Schreyvogl. Wien, 21.3.1920
Wien 21. 3. 1920.
Lieber Freund Schreyvogl!
Ich habe mich noch am Freitag abends
mit lebhafter Teilnahme in Ihre Dichtung
„Karfreitag“ vertieft und mich ebenso
an ihrer ethischen Tiefe wie an ihrer blü=
henden Form erfreut. An der letzteren
habe ich nur wenige nicht einwandfreie Be=
tonungen schulmeisterlich auszusetzen. Der
menschliche Gehalt aber nimmt in nicht all=
täglichen Gedankengängen durch die Hell=
äugigkeit gefangen, mit der hier ein Blick
hinter den ewig verschlossenen Vorhang der