Marriot, Emil: Brief an Viktor von Dubský. Wien, 16.3.1916
Wien, 16. März 1916.
Hochgeehrter Herr Graf,
gestatten Sie einer Ihnen persönlich Frem=
den, dass sie Ihnen zu dem unersetzlichen
Verluste, den Sie und alle Ihre Angehörigen durch
den Tod der hochgeborenen Freifrau Marie von
Ebner-Eschenbach erlitten haben, ihre tief gefühlte
Teilnahme ausspricht. Mit der Verblichenen wurde
ein selten edler Mensch zu Grabe getragen; und
wie edel sie gewesen, erhellt schon aus dem Um=
stand, dass sie, trotz berühmtem Namen, Erfolgen
und Ehrungen aller Art keinen einzigen Feind
hatte; dass sie nur Freunde und Bewunderer
besass und sogar Neid und Missgunst sich an diese
Lichtgestalt nicht heranwagten. Ich habe die edle
Frau innig verehrt: als Menschen wie als Dich=
terin, und es ist ein Trost für uns Alle, dass uns
ihre Werke bleiben, die zu den kostbarsten gehören,
was uns die neuere deutsche Literatur gegeben hat.
Und es bleibt uns die Erinnerung an sie und
die kann uns nicht genommen werden.
Mit aller Hochachtung
Ihre ganz ergebene
Emilie Mataja (Emil Marriot.)