Michalek, Ludwig: Brief an Franz Karl Ginzkey. Gmunden, 21.7.1927
An Romain Rolland habe ich jetzt einen
Abdruck meines Beethoven geschickt und
gewiedmet. Erhielt eben ein hochinte-
ressantes Dankesschreiben von Rolland
— er ist doch ein sehr bedeutender Schrift=
steller und freue ich mich sehr über seine
Anerkennung. — Wenn Sie Stefan
Zweig (der ja noch in Salzburg wohnt) sehen,
so bitte ich ihm dieses mitzuteilen.
Stefan Zweig hat ja so viel gethan, um
uns Deutschen, Romain Rolland näher
zu bringen, gerade so wie Rainer Maria
Rilke uns Rodin näher gebracht hat.
Meine Frau u ich müßen gegen Ende
August wieder nach Hofgastein die Badekur
gebrauchen. — Darnach wollen wir, einer
dringenden Einladung meines Jugend=
freundes Alfred Bum folgen und zur
Nachkur nach Cottbus reisen.
— Da staunen Sie aber! — Dass wir es
den Ozeanfliegern Chamberlin u Levine nach=
machen. — Bum hat uns versprochen, uns
mit seinem Auto nach Dresden, Berlin u
Weimar zu bringen — also der Aufenthalt
in Cottbus soll uns „versüßt” werden u
wir sollen nicht nur zuschauen „wie der
Cottbuser Kutscher den Cottbuser Post=
kutsch-Kasten putzt.
Seien Sie u Ihre hochgeehrten lieben
Damen von mir u meinen Lieben auf
das Herzlichste gegrüßt.
In alter, herzlicher Hochverehrung Ihr treu er[ge]b[en]er
Ludwig Michalek