Michalek, Ludwig: Brief an Marie von Ebner-Eschenbach. Schönbrunn, 9.5.1915
en face Aufnahme existiert nicht -
no und da soll ich Ihnen also Porträt
sitzen?” frug - mir zur Hilfe
kommend der Kaiser. - Da bat ich
wenigstens um eine Sitzung,
die mir gnädigst gewährt wurde.
In der vorigen Woche war ich schon
verständigt worden, dass ich mich
einzufinden hätte - aber im letzten
Moment hatte Fürst Montenuovo mir
abtelefoniert, da der Kaiser zu über=
anstrengt war an diesem Tage
und nun warte ich von Tag zu Tag
bis ich unsern geliebten Kaiser
zeichnen kommen darf. - Das ist doch
eine große Freude, dass ich unseren
Kaiser in dieser großen schweren Zeit
porträtieren darf!
Wenn ich nur gesund bleibe! -
Die fieberhafte Arbeitsthätigkeit der
letzten Wochen zeigt sich jetzt, wo die
Hauptarbeit des Komponierens glücklich
vorbei ist - doch in einer zeitweiligen
Abspannung - ich arbeite eben schon
seit der Charwoche tagtäglich und auch
Sonn& Feiertage. - Maßhalten,