Michalek, Ludwig: Brief an Marie von Ebner-Eschenbach. Lienz, 24.7.1914
und wenigstens diese Befriedigung ihres
Pflichtgefühls hatte (trotzdem sie vom
Landesschulrat beurlaubt war auch für
die Matura). Dann fuhr sie mit
unserer jüngeren Tochter Lisa voraus
auf's Land nach Lienz in Tirol -
meine Frau und ich mußten noch in
Wien sein, da ich noch meinen Schulschluß
abwarten mußte und auch noch die
übernommenen Aufträge vollenden
wollte - aber es ging nicht mehr -
ich war so erholungsbedürftig und
trotz allem Zwang den ich mir ange=
than, konnte ich nur Etwas weiter
bringen, die Vollendung Ihrer
Radierung mußte ich auf den Herbst
verschieben. Da werde ich hoffentlich
mit frischer Kraft etwas sehr Gutes
herausbringen. Also bitte mir
in Ihrer großen Güte und Nachsicht
zu verzeihen, dass Sie noch bis in
den Herbst warten müßen. Nehmen
Sie, hochverehrte Frau Gräfin, die
Versicherung entgegen, dass es mir
sehr schwer geworden Ihnen dieses
mittheilen zu müßen. -