WIENER KAMMERKUNST
GES. M. B. H.
LEITUNG: MAX MILLENKOVICH
ATTILIO BLEIBTREU
WIEN, I., HIMMELPFORTGASSE 9
TELEFON 7138
KANZLEISTUNDEN 8―½2 UHR
WIEN, am 22. IX. 19.
(Fortsetzung.)
2) möchte ich im Verlaufe unserer Lieder-
abende, die mit Robert Franz und Peter Cornelius
so schön begonnen haben, recht bald auch Josef Reiter
bringen. Aus künstlerischen und geschäftlichen Gründen
(die sich hier beinahe decken) will ich aber - abgesehen von
Schubert und allenfalls noch Schumann - stets zwei Ton-
dichter zusammenspannen. Zwei ausübende Künstler da-
gegen, wie wir sie uns zum festlichen Anfang bei
Franz und Cornelius im kleinen Konzerthaussaale ge-
leistet haben, müssen wir im viel kleineren Kam-
mermusiksaale des Musikvereines aus geschäftlichen
Gründen zu vermeiden suchen. Da endlich ausübende
Künstler um so leichter und wohlfeiler zu haben
sind, je weniger sie Neues zu studieren haben, so wird
es sich also darum handeln, Künstler ausfindig zu
machen, die mit einem anderen deutschösterreichi-
schen Tondichter schon gründlich vertraut sind und
dann nur noch die ihnen bisher fremden Reiterschen
Lieder zu studieren brauchen. Da ergeben sich nun
drei mir bekannte Fälle, daß ein ernst zu nehmender
Deutschösterreicher von einer Wiener Sängerin oder
einem Wiener Sänger bereits studiert ist:
Marx - Klara Musil,
Streicher - Elsa Weigl=Pazeller,
Kienzl - Willi Ubl.
Wo willst Du Dich anschließen? Mir würde Reiter
und Marx am meisten zusagen, da Ihr so verschieden
geartet seid, daß keiner dem andern im Wege
steht (Kienzl und Reiter wäre mir zu gleichartig)
und dabei müßte Kienzl unbedingt den Kürzeren
ziehen und da sich die Musil für viele Deiner
Gesänge ganz besonders eignen würde (Ubl möcht' ich
mir für Deine Balladen aufheben). Ein vierter
Fall wäre: Gotthelf - Klara Musil. Aber Gotthelf
GES. M. B. H.
LEITUNG: MAX MILLENKOVICH
ATTILIO BLEIBTREU
WIEN, I., HIMMELPFORTGASSE 9
TELEFON 7138
KANZLEISTUNDEN 8―½2 UHR
WIEN, am 22. IX. 19.
(Fortsetzung.)
2) möchte ich im Verlaufe unserer Lieder-
abende, die mit Robert Franz und Peter Cornelius
so schön begonnen haben, recht bald auch Josef Reiter
bringen. Aus künstlerischen und geschäftlichen Gründen
(die sich hier beinahe decken) will ich aber - abgesehen von
Schubert und allenfalls noch Schumann - stets zwei Ton-
dichter zusammenspannen. Zwei ausübende Künstler da-
gegen, wie wir sie uns zum festlichen Anfang bei
Franz und Cornelius im kleinen Konzerthaussaale ge-
leistet haben, müssen wir im viel kleineren Kam-
mermusiksaale des Musikvereines aus geschäftlichen
Gründen zu vermeiden suchen. Da endlich ausübende
Künstler um so leichter und wohlfeiler zu haben
sind, je weniger sie Neues zu studieren haben, so wird
es sich also darum handeln, Künstler ausfindig zu
machen, die mit einem anderen deutschösterreichi-
schen Tondichter schon gründlich vertraut sind und
dann nur noch die ihnen bisher fremden Reiterschen
Lieder zu studieren brauchen. Da ergeben sich nun
drei mir bekannte Fälle, daß ein ernst zu nehmender
Deutschösterreicher von einer Wiener Sängerin oder
einem Wiener Sänger bereits studiert ist:
Marx - Klara Musil,
Streicher - Elsa Weigl=Pazeller,
Kienzl - Willi Ubl.
Wo willst Du Dich anschließen? Mir würde Reiter
und Marx am meisten zusagen, da Ihr so verschieden
geartet seid, daß keiner dem andern im Wege
steht (Kienzl und Reiter wäre mir zu gleichartig)
und dabei müßte Kienzl unbedingt den Kürzeren
ziehen und da sich die Musil für viele Deiner
Gesänge ganz besonders eignen würde (Ubl möcht' ich
mir für Deine Balladen aufheben). Ein vierter
Fall wäre: Gotthelf - Klara Musil. Aber Gotthelf