Millenkovich-Morold, Max von: Brief an Josef Reiter. Wien, 28.5.1932
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mern müssen, worin eben, wie Du weißt, die Poli=
tiker und Parteileute am wenigsten geschult
sind. Es wird also notwendig sein, dass ein
Rat kundiger Männer ihnen zur Seite steht
und dass auch, sobald es möglich ist, die rechten
Männer auf den rechten Platz kommen (Un=
terrichtsministerium, Bundestheater, Musikaka=
demie, Rundfunk u. dgl. m.) Im Rate dürfte
ich nicht fehlen und für manchen Platz wäre
ich auch der Rechte. In Wien spricht man schon
davon, dass mir wieder Genugtuung werden
soll. Ich lasse diese Dinge an mich heran=
kommen. Ich habe bisher gar nichts „unter=
nommen” und auch den Gedanken, als
Wahlwerber aufzutreten, einstweilen zurück=
gestellt. Versammlungsredner und
Abgeordneter war einst mein heißester
Wunsch. Jetzt aber bin ich dafür doch wahr=
scheinlich etwas zu alt. Für eine leitende Stelle und
für ruhige Arbeit (unter Ruhe verstehe ich
nicht Bequemlichkeit, aber Sesshaftigkeit) bin
ich jedoch unter allen Umständen frisch und rüstig genug. Die zehn
Jahre, die ich mir noch als Arbeiter zu=
traue, möchte ich gern im Dienste des Volkes