Millenkovich-Morold, Max von: Brief an Bertha von Vlahovszky. Wien, 4.6.1923
Tel. Nr. 50531
Wien, am 4. Juni 1923.
Liebe, verehrte Freundin!
Da ich nun schon so lange Zeit weder Sie
noch Ihre Schwester gesehen habe, auch einmal ver-
geblich in Ihrer Wohnung und im Akazienhof war,
so muß ich Sie schriftlich behelligen, u. zw. mit
Folgendem:
Wir haben jetzt eine sehr tüchtige und
verläßliche Pflegerin im Haus, Tag und Nacht, so
daß die Mutter in dieser Hinsicht tadellos versorgt
ist und wir alle eine Erleichterung spüren. Trotzdem
aber wünsche ich, namentlich wegen der besseren Luft
und des Aufenthaltes im Freien, daß sie bald auf den
Rosenhügel kommt, u. zw. aus verschiedenen prakti-
schen und ökonomischen Gründen: so bald als möglich.
Ich frage Sie nun, ob in dieser Hinsicht
alles Nötige vorgekehrt ist. Vor etwa drei Wochen sagten
Sie uns, es würde noch drei bis vier Wochen dauern.
Darnach könnte die Mutter in etwa acht Tagen Auf-
nahme finden. Nach telephonischer Anfrage wurde
uns jedoch vom Rosenhügel aus mitgeteilt, daß davon
keine Rede sein könne. Auf zwei bis drei Monate
müßten wir uns schon gefaßt machen! Nun, da
wäre der Sommer vorüber. Also wie steht die Sache?
Genügt Ihre Anmeldung? Muß ich nicht selbst eine
Eingabe machen oder mich persönlich beim Direktor vor-