14. 1. 25.
Sehr geehrter Herr.
Heute wird mir erzält, dass College Gütersloh Sie für
die Situation in welche Fischer in Venedig geraten ist, ver-
antwortlich macht. Nach meinem Gespräche mit Gütersloh
und seinen eigenen Äußerungen über dessen Schwächen,
kann ich an so ein Verhalten Gütersloh's nicht glauben,
denn ich halte ihn für einen ernsten Künstler und ernsten
Menschen.
Ich beeile mich aber Ihnen zu erklären, dass Ihr Auftreten
gegen Fischer nur die vorzeitige Klärung einer unhaltbaren
Situation herbeigeführt hat.
Dass Sie - in Kenntniss von Frau Mahlers und meinem
Verhalten gegen Fischer - über dessen Äußerungen empört
waren, wird Ihnen kein rechtlich denkender Mensch
verübeln können. Es handelt sich hier nur um keinen Tratsch
sondern um naturgemäße Folgen dieser Empörung.
Ich denke über die Sache heute recht ruhig und trage Fischer
nichts nach. Ich bedauere ihn heute noch mehr als ich ihn
früher bedauert habe. Dem Manne ist von außen her
dauernd nicht zu helfen - er leidet an Größenwahn, lernt
in Folge dessen nichts und kann seine eigenen Leistungen
nicht beurteilen. Diese Meinung hatte ich früher schon,
und gab nur Frau Mahlers Drängen nach - das äußerste zu
versuchen um Fischer eine Zeit lang sorglos zu machen,
denn Frau Mahler meinte - dass Stillstehen in Fischers
Arbeit ist durch die Not herbeigeführt.
Über das Nähere meines Eingreifens will ich Ihnen privat
noch folgendes mitteilen. Durch Inanspruchnahme eines
Freundes, war es mir gelungen, für Fischer 1500 lire pro Monat
für ein Jahr zu sichern. Die Finanzkatastrophe des letzten
Frühjahrs machte das Projekt zu Schanden - kurz bevor
Fischer abreisen sollte. Um ihm diese schwere Enttäuschung
zu ersparen, schaffe ich mir selbst - durch Belehnung eines
Besitzes, Geld - und Fischer konnte reisen. Er blieb im
relativ teueren Venedig - verbrauchte mehr als zu Gebote
stand - und - bei seiner Rückkehr - nach etwas über 2 Monaten
hatte er 8000 lire in Anspruch genommen.
Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass das Schicksal
jedes Menschen in ihm selbst bedingt ist.
Hochachtungsvollst ergeben
Ihr CarlMoll
Sehr geehrter Herr.
Heute wird mir erzält, dass College Gütersloh Sie für
die Situation in welche Fischer in Venedig geraten ist, ver-
antwortlich macht. Nach meinem Gespräche mit Gütersloh
und seinen eigenen Äußerungen über dessen Schwächen,
kann ich an so ein Verhalten Gütersloh's nicht glauben,
denn ich halte ihn für einen ernsten Künstler und ernsten
Menschen.
Ich beeile mich aber Ihnen zu erklären, dass Ihr Auftreten
gegen Fischer nur die vorzeitige Klärung einer unhaltbaren
Situation herbeigeführt hat.
Dass Sie - in Kenntniss von Frau Mahlers und meinem
Verhalten gegen Fischer - über dessen Äußerungen empört
waren, wird Ihnen kein rechtlich denkender Mensch
verübeln können. Es handelt sich hier nur um keinen Tratsch
sondern um naturgemäße Folgen dieser Empörung.
Ich denke über die Sache heute recht ruhig und trage Fischer
nichts nach. Ich bedauere ihn heute noch mehr als ich ihn
früher bedauert habe. Dem Manne ist von außen her
dauernd nicht zu helfen - er leidet an Größenwahn, lernt
in Folge dessen nichts und kann seine eigenen Leistungen
nicht beurteilen. Diese Meinung hatte ich früher schon,
und gab nur Frau Mahlers Drängen nach - das äußerste zu
versuchen um Fischer eine Zeit lang sorglos zu machen,
denn Frau Mahler meinte - dass Stillstehen in Fischers
Arbeit ist durch die Not herbeigeführt.
Über das Nähere meines Eingreifens will ich Ihnen privat
noch folgendes mitteilen. Durch Inanspruchnahme eines
Freundes, war es mir gelungen, für Fischer 1500 lire pro Monat
für ein Jahr zu sichern. Die Finanzkatastrophe des letzten
Frühjahrs machte das Projekt zu Schanden - kurz bevor
Fischer abreisen sollte. Um ihm diese schwere Enttäuschung
zu ersparen, schaffe ich mir selbst - durch Belehnung eines
Besitzes, Geld - und Fischer konnte reisen. Er blieb im
relativ teueren Venedig - verbrauchte mehr als zu Gebote
stand - und - bei seiner Rückkehr - nach etwas über 2 Monaten
hatte er 8000 lire in Anspruch genommen.
Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass das Schicksal
jedes Menschen in ihm selbst bedingt ist.
Hochachtungsvollst ergeben
Ihr CarlMoll