Dresdner Kammerorchester
Leitung: Prof. Joseph Gustav Mraczek
Dresden=A. 24, Liebigstraße 18 / Ruf 41258
Sekretariat Dresden=A. 27, Kaitzer Straße 131, part.
Dresden, am 12.XI.29 ... 19
Mein verehrtester Herr Ginzkey !
Sie haben ja allen Grund mir böse zu sein.Glauben Sie,bitte
nicht,dass ich mich nicht bemühte,Ihnen hier einen Abend zu versorgen,
der Ihrer würdig und auch einen Ersatz Ihrer Kosten verbürgt.Ich habe bei
zwei Buchhändlern,die hier solche Abende veranstalten,für Sie vorge-
sprochen und musste beiderseits zu meinem Entsetzen hören,dass nicht nur
kein Interesse im Publikum hier vorhanden ist,sondern auch,dass seit 3
Jahren,auch bei bedeutenden Dichtern nicht einmal die Saalkosten zu er-
reichen waren.Ich war stets sehr betrübt und bat die Herren,die
Sie als Dichter sehr verehren,Ihnen aufrichtig die hiesige Lage per-
sönlich zu schildern,unter Beziehung auf meine Intervention.Aufrichtig
gesagt,schämte ich mich für die Kunststadt Dresden,Ihnen das selbst zu
schreiben. Scheinbar haben die Herren Ihnen nicht geschrieben.?
Wenn Sie aber nach Dresden kommen,wird es mir eine Freude sein,Sie in
einem Hause einzuführen,das seine Räume gastlich Dichtern und Künstlern
zur Verfügung stellt,um ihnen das Feld in Dresden ebnen zu helfen.Dresden
ist eine ganz merkwürdige Stadt.Man kann in der ganzen Welt eine Be-
rühmtheit sein,hier muss man erst durch die Gesellschaft eingeführt wer-
den.Ich will gerne alle meine Beziehungen,die ich im Laufe der Jahre hier
gesammelt habe,bei Ihrem Hiersein für Sie vorbereiten und hoffe,Ihnen
ein gutes Feld vorbereiten zu können.Bitte,teilen Sie mir baldmöglichst
mit,ob und wann Sie in Dresden sind;alles weitere will ich hier in die Wege
leiten.Wenn es für den Augenblick nicht als ein positiver Gewinn zu buchen
sein wird,ein Wechsel auf eine nahe Zukunft ist es dann bestimmt.
Leitung: Prof. Joseph Gustav Mraczek
Dresden=A. 24, Liebigstraße 18 / Ruf 41258
Sekretariat Dresden=A. 27, Kaitzer Straße 131, part.
Dresden, am 12.XI.29 ... 19
Mein verehrtester Herr Ginzkey !
Sie haben ja allen Grund mir böse zu sein.Glauben Sie,bitte
nicht,dass ich mich nicht bemühte,Ihnen hier einen Abend zu versorgen,
der Ihrer würdig und auch einen Ersatz Ihrer Kosten verbürgt.Ich habe bei
zwei Buchhändlern,die hier solche Abende veranstalten,für Sie vorge-
sprochen und musste beiderseits zu meinem Entsetzen hören,dass nicht nur
kein Interesse im Publikum hier vorhanden ist,sondern auch,dass seit 3
Jahren,auch bei bedeutenden Dichtern nicht einmal die Saalkosten zu er-
reichen waren.Ich war stets sehr betrübt und bat die Herren,die
Sie als Dichter sehr verehren,Ihnen aufrichtig die hiesige Lage per-
sönlich zu schildern,unter Beziehung auf meine Intervention.Aufrichtig
gesagt,schämte ich mich für die Kunststadt Dresden,Ihnen das selbst zu
schreiben. Scheinbar haben die Herren Ihnen nicht geschrieben.?
Wenn Sie aber nach Dresden kommen,wird es mir eine Freude sein,Sie in
einem Hause einzuführen,das seine Räume gastlich Dichtern und Künstlern
zur Verfügung stellt,um ihnen das Feld in Dresden ebnen zu helfen.Dresden
ist eine ganz merkwürdige Stadt.Man kann in der ganzen Welt eine Be-
rühmtheit sein,hier muss man erst durch die Gesellschaft eingeführt wer-
den.Ich will gerne alle meine Beziehungen,die ich im Laufe der Jahre hier
gesammelt habe,bei Ihrem Hiersein für Sie vorbereiten und hoffe,Ihnen
ein gutes Feld vorbereiten zu können.Bitte,teilen Sie mir baldmöglichst
mit,ob und wann Sie in Dresden sind;alles weitere will ich hier in die Wege
leiten.Wenn es für den Augenblick nicht als ein positiver Gewinn zu buchen
sein wird,ein Wechsel auf eine nahe Zukunft ist es dann bestimmt.