Müller, Hans: Brief an Franz Karl Ginzkey. Wien, 24.2.1917
trifft sein Ton das Herz des Lesers, denn eben - eines
ganzen Menschen Herz hat hier scheinbar zur letzten
Schlichtheit heimgefunden! Ich sage „scheinbar”; denn
ein wie bedeutendes Maß an Stil und Formbeherrschung
gerade in Ihren knappsten Liedern steckt, kann dem
Auge des Kundigen nicht entgehen. Manches dieser Gedichte
ist so einfach wie der Wolfgangsee - ja, aber um so
kristallklar zu sein, muß man manche Forelle und manches
Stück Erde und auch manchen schweren Stein tiefdrunten,
unter dem Spiegel haben. Sie haben dies alles,
lieber Meister Ginzkey; das macht Ihre Kunst
zur niemals schalen Gefährtin.
Haben Sie herzlichsten Dank für das
schöne, liebe Buch, dessen Weg ins Weite ich
mit der größten Genugtuung verfolgen werde.
Wie ich höre, sind Sie an meiner statt