Müller, Hans: Brief an Franz Karl Ginzkey. Berlin, 23.12.1920
Berlin, Elitehotel, 23.12.20
Verehrter Freund Ginzkey,
Ihr lieber Brief erreicht mich hier. (Proben
zu „Sterne” im Staatstheater, mit Bassermann als Galilei,
dann 11 Vorlesungen in deutschen Städten.) Ich lege
meine Zustimmungserklärung diesen Zeilen bei und bitte
Sie um die Freundlichkeit, die Karte in den Postkasten
zu werfen.
Von Ihnen, nach langer Zeit, wieder ein
geschriebenes Wort zu erhalten, hat mich sehr gefreut.
Ich denke Ihrer oft (und spreche oft genug von Ihnen).
Wie beneide ich Sie um die Kraft zur Stille! Mein
Leben ist eine einzige Hatz - und es macht mich von
Jahr zu Jahr friedloser. Nun kommt hoffentlich eine
Zeit, in der ich still für mich arbeiten werd.
Seien Sie, zu Weihnachten und zum kommenden
Jahr, mit den herzlichsten Wünschen für Leben und
Dichten gegrüßt von Ihrem altergebenen
HansMüller