Natter, Ottilie: Brief an Maia von Kralik. Gmunden, 28.3.1920
kann ich Günstiges vermelden. Sieg=
fried ist mit Arbeit überbürdet,
trotzdem er seine Kanzlei mit sei=
nem Schwager, dem früheren Staats=
anwalt Dr Kolisko teilt. Meine
liebe Schwiegertochter hat mit ihrem
Haus und der jungen fröhlichen Schar
vollauf zu tun. Heinrich, der älteste
und seine beiden jüngeren Schwestern
besuchen das Gymnasium.
Ihre Nachricht, daß Ihr lieber
Gatte, dem Manne unter welchem Wien
vielleicht seine höchste Blütezeit
feierte, ein bleibendes Denkmal er=
richtet freut mich ungemein.
Mich erfüllt eine Sehnsucht nach
jenen schönen Zeiten, die uns in
so grausamer Weise entrissen wur=
den. Vulkanische Eruptionen