Natter, Ottilie: Brief an Maia von Kralik. Gmunden, 5.4.1915
Gmunden 5. April 1915
Verehrte, liebe Frau von Kralik!
Ihre lieben warmen Worte haben
mich ungemein erfreut. Gewiß Sie ha=
ben recht, was man sonst still im Herzen
getragen, drängt sich in unserer gro=
ßen Zeit ans Licht. In eine höhere
Sphäre ist man in seinen Gefühlen
gehoben, man staunt, man bewun=
dert man kann es nicht erfassen
was in uns vorgeht. Diese opferwilli=
ge Begeisterung der Heldensöhne un=
seres Vaterlandes übersteigt alle Erwartungen. Und Sie beteili=
gen sich ja mit Ihrem eigenen
Fleisch und Blut dabei. Wenigstens
haben Sie gegenwärtig zwei Ihrer
Söhne nicht mehr in unmittelbarer
Gefahr. Und Ihr Heinrich wird seine
Gesundheit, die er im Kriege ein=
gebüßt, wenn auch langsam, so doch