Natter, Ottilie: Brief an Maia von Kralik. Gmunden, 1.9.1917
Sie entsinnen sich freundschaftlich
der längst vergangenen Zeiten in
Gmunden und ich denke so oft ich an
dem nun umgebauten Schlößchen
vorbeikomme, der schönen Stunden
die wir dort bei Ihnen verlebten.
Sie fragen auch um Selma und um
die ihrigen. Ich hoffe sie wohlauf
trotzdem ich seit Wochen ohne Nach=
richt bin u. auf telegraphische An=
frage Antwort erwarte. Ich stre=
be jetzt wieder nach einer Zusam=
menkunft in Zürich, ob mir dieser
Wunsch erfüllt werden kann? Im
verflossenen Frühjahr war es nicht
durchführbar weil der Selma und
der Minia, nach der ich mich am
meisten sehne, die Päße verwei=
gert worden sind. Siegfried ist
mit Arbeit überbürdet, sehr über=
reizt, seiner Frau u. den 4 Kindern
geht es gut.
Für heute nichts weiteres als
alle guten Wünsche für Sie Alle, be=
ste Grüße sende ich Ihnen u. Ihrem
[seitlich links:]
lieben Gatten. Ihre getreue
Ottilie Natter