Örley, Robert: Brief an Franz Ottmann. Wien, 9.6.1926
ARCHITEKT Z. V., B. D. A. ROBERT ÖRLEY, WIEN I., TUCHLAUBEN 13
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DAS HONORAR WIRD NACH DER GEBÜHREN-
ORDNUNG DER ARCHITEKTEN MIT EINEM
50%IGEN AUFSCHLAG BERECHNET.
Wien, am 9. Juni 1926.
Oe/Z/273/26.
Hochwohlgeboren
Herrn
Dr. Franz Ottmann,
Wien, 19.,

Sieveringerstr. 32.,
Sehr verehrter Dr.Ottmann!
Ihren lieben Brief vom 29.5. habe ich erhalten und
finde erst heute Muße Ihnen denselben zu beantworten. Sie haben
vollkommen recht, der große Platz vor dem Gebäude der National-
bank verlangt eine entsprechende Lösung. Ich habe mittlerweile,
ohne zu verraten um was es sich handelt, versucht im Stad tbauamt
zu erfahren ob diesbezüglich irgend welcher Plan oder Absichten beste-
hen.Das scheint noch nicht der Fall zu sein. Der Stadtbaudirek-
tor Musil ist Ingenieur,Verkehrstechniker und hat nach meiner
Ueberzeugung kein Raumgefühl,kein Empfinden für das was wir Bau-
künstler verlangen.Auch sonst ist in der Gemeinde niemand,der je-
nes Verlangen nach Gestaltung in sich trägt,um eine Anregung in
dieser Hinsicht verstehen zu können.
Ich würde es auf das Lebhafteste begrüssen wenn Sie,
sehr verehrter Herr Doktor,über diese Frage im kleinen Kreise
des Verwaltungsausschusses der Zentralvereinigung der Architekten
Oesterreichs gelegentlich einer Vorstandsitzung uns Ihre Meinung
sagen würden und dann vielleicht gemeinsam mit der Z.V. eine
Eingabe an die Gemeinde Wien ausarbeiten würden.Wenn aber die