Quidde, Ludwig: Brief an Unbekannt. Köln, 25.5.1925
Frage der Grabstätte der Frau von Suttner hat eine
Klärung erreicht, die auf dem Korrespondenzwege
nie gewonnen wäre. Noch die Auskunft, die
ich im Rathaus erhielt, war falsch. Erst der
Besuch auf dem Friedhof brachte die Entscheidung.
Die Urne ist seit einiger Zeit auf dem dafür
schon 1914 ausersehenen Platze provisorisch
(auf einem Sockel v. Kunststein) aufgestellt. Davon
wußte man weder im Stadtrat noch in der
Friedensgesellschaft das geringste. Wer diese Aufstel=
lung bewirkt hat, war, als ich abreiste, noch
nicht aufgeklärt. Ganz romanhaft!
Ich habe bei Ihnen meine Seifendose
(aus Aluminium) liegen lassen. Wenn Sie
dafür sorgen wollten, daß sie nur als Muster
ohne Wert an meine Berliner Adresse
geschickt wird (Berlin, Wilmersdorf, Kaiserallee
32/III bei Kleinschmidt), wäre ich Ihnen dank=
bar.
Da ich Berlin nur im Fluge berührt habe,
habe ich meine Finanzen dort nicht ordnen können.
Und jetzt wage ich die 75 M, die ich Ihrem Hrn.
Gemahl zurückzuerstatten habe, nicht abzusenden, aus
Furcht, mich aufs neue in Verlegenheit zu bringen.
Sagen Sie ihm, bitte, er möge sich gedulden, bis ich
wieder in Berlin bin.
[Links:]
Herzliche Grüße Ihnen beiden, und auch solche zur Uebermitt
lung an Frau Dr. Steckelmacher
Ihr ergebenster
L Quidde