Pernter, Hans: Brief an Maia von Kralik. Wien, 7.2.1934
SEKTIONSCHEF
DR. HANS PERNTER
Wien,am 7.Februar 1934.
Sehr verehrte gnädige Frau !
Tiefbewegt durch das Hinscheiden Ihres allverehrten
Gatten,zu dem ich Zeit meines Lebens in aufrichtiger Be-
wunderung als zu einem wahrhaft universellen Geiste auf-
geblickt habe,bitte ich Ihnen und Ihrer verehrten Familie
den Ausdruck innigster Teilnahme an Ihrem schweren Leid
übermitteln zu dürfen.Der Abschied lässt uns die Grösse
des Verlustes erahnen;was Richard von Kralik für Kultur
und Kirche im allgemeinen bedeutet,gilt im besonderen für
das Gebiet der Kunst,die er durch das Wiedererwecken alten
dichterischen Volksgutes,durch eigenes vielseitiges musi-
sches Schaffen und durch wissenschaftlich-kritische Be-
trachtung in entscheidenden Kämpfen gefördert hat,so dass
ich mich vom Gesichtspunkte der österreichischen Kunstver-
waltung voll und ganz der allgemeinen Ueberzeugung an-