Petzold, Alfons: Brief an Josef Luitpold Stern. Heiligen Kreuz, 7.7.1915
kommen. Und siehe dieses Wunder geschah. In meiner tiefsten
Nacht, als ich auch körperlich wieder zusammengebrochen war,
trat in einem wunderschönen, prachtvollen Geschöpf Johanna
aus dem Grabe in neuer herrlich[-]verjüngter Gestaltung
an mich heran, um mir neue Lust an dieser schönen Welt
zu schenken. Schwere, furchtbare Kämpfe hatten ich und dieses
Mädchen zu bestehen, bis es uns glühendes Bewußsein
wurde, daß eines das andere über alle Hindernisse lieben müße
um wieder ein reiches, inhalttiefes Leben führen zu können.
So haben wir uns eins dem anderen geschenkt und werden im
Herbst die Ehe schließen. Von dem rein Äußerlichen meiner
Braut werden Sie gleich Dr. Grüner, Stefan Zweig, Felix Braun
die sie schon kennen lernten entzückt sein. Sie gleicht in vielen
Dingen Johanna, hat deren Schönheit und hohe Intelligenz die
aus dem Herzen kommt. Ich weiß, Sie werden Hedwig so
lieb gewinnen, wie Sie Johanna lieb hatten. Dies meine
Beichte, die ich mit der Bitte schließe, mir unentwegt ein