Prager, Hans: Brief an Franz Ottmann. o.O., 11.5.1917
11/V. 1917.
Lieber O!
Dein Brief hat mir Freude aber auch Wehmut gebracht. -
Es ist nicht allzulange her, da habe ich selbst noch unter der
Heimatlosigkeit gelitten und zwar in einer Form, die Allen, die
mich kannten, als so bösartig erschien, dass sie für meine Zukunft
das Düsterste erwarteten. Nun das ist vorbei. -- Freilich, man
kann die Vergangenheit nicht abtun, wie ein altes Gewand,
und man soll das auch nicht. Starke Spuren dieser durch
hartes Leid erworbenen Düsterheit sind auch jetzt noch in
mir und werden wol immer bleiben; aber Käthe ist mir als
Sonne in mein Leben getreten und das Gefühl, noch ebenso
unfassbar und ungewohnt wie am ersten Tag ist in meinem
gegenwärtigem Leben das vorherrschende und wird es wol
immer bleiben. - Und deshalb verstehe ich Deine Stimmung
so gut; ist sie mir ja so vertraut. Und deshalb auch
masse ich mir das Recht an, Dir Hoffnung zuzusprechen
(vielleicht überflüssiger Weise, denn es mag sein, dass
Dir Deine Lebensform gar nicht so unerträglich erscheint)
dass Du, ist einmal der Krieg aus - und er wird es bald
sein - auch für Dich ein neues Leben empfangen kannst,
denn Überraschungen und Zufälle spielen, das beweist
mein Leben, die Hauptrolle. - Man muss nur ein wenig
wollen. Ich gestehe ganz offen, dass, als ich Käthe kennen
und lieb gewinnen lernte, es mir absolut ausgeschlossen
erschien, dass ich heiraten könnte und dürfte. 1000
innere und äussere Gründe spachen dagegen. - Und
da haben gemeinsame Freunde und Freundinnen
das Band geknüpft, das mir nunmehr ٪