Portheim, Max von: Postkarte an Gustav Gugitz. Wien, 2.9.1916
Wien 2. 9. 1916.
Lieber Herr Doctor! Von Hrn Dr. Bindner
hatte ich vor einiger Zeit vernommen, daß
Sie in Aspang sind und entnehme mit Ver-
gnügen auch Ihren w. Zeilen v. 24/8, daß Sie
mit dem dortigen Aufenthalt wieder zufrie-
den sind und auch keinen Ernährungsschwie-
rigkeiten begegnen. Letztere habe ich auch
hier bisher wenig kennen gelernt, wohl
aber die Theuerung. Für Ihre freundliche
Anfrage nach meinem Befinden besten Dank;
ich habe weiter recht unangenehme Anfälle
gehabt, was ja bei den Aufregungen dieser
Zeit kein Wunder ist. Mein Cousin Victor
ist an der Südwestfront, mein Neffe, Arzt, der
erst im Schützengraben vor Verdun war, jetzt
im Spital in Longwy thätig, etc. – Der Arzt
hat mir größere Spaziergänge untersagt, so
daß meine Ziegelschupferthätigkeit, zum
Nachtheil der Nerven, gefördert ist. – Dr.
Blümel hat sich kürzlich telephonisch bei mir
angesagt, ist aber nicht erschienen u. hat auch
sonst nichts von sich hören lassen. Im Caffé
sehr schwacher Besuch. – Ihnen die besten Wetter=
chancen für Ihren weiteren Aufenthalt sowie
[gute] Erholung wünschend, mit besten Grüßen
Ihr ergebener Max v. Portheim