Cambridge 17. 3. 928
Sehr geehrte Freundin,
Ich bitte Sie, vor Allem meinen
wärmsten Dank für Ihr liebes, gütiges Schreiben vom 9. d. M.
entgegennehmen zu wollen: es thut mir sehr wohl, zu fühlen,
dass unsere alte Freundschaft, auch auf Ihrer Seite unverändert
in alter Kraft verharrt. Das Leben ist ja deshalb vor Allem
so grausam, weil es so wenig Werthe fortbestehen lässt, weil
man je länger die Jahre vorwärtsschreiten desto mehr
verliert, ja verlieren werde. Wie viele Menschen muss man
- um mich geschäftlich auszudrücken, in dem „Kapital-
konto”, darin man seine Freunde und alle Lieben dieses Lebens
verwahrt hält, „abschreiben”, wie viel wird rein durch
den Ablauf der Zeit an „innerem Wert” gemindert! Ich
glaube sagen zu können, dass ich mich in den Menschen
selten getäuscht habe, wenige Irrthümer begangen habe,
- und dennoch, wie viel Enttäuschung hat man
mitmachen müssen! Und schließlich bleibt einem
nur die Resignation übrig. - Mein ältester
Freund - Oesterreich - bringt mir die Kunst
Sehr geehrte Freundin,
Ich bitte Sie, vor Allem meinen
wärmsten Dank für Ihr liebes, gütiges Schreiben vom 9. d. M.
entgegennehmen zu wollen: es thut mir sehr wohl, zu fühlen,
dass unsere alte Freundschaft, auch auf Ihrer Seite unverändert
in alter Kraft verharrt. Das Leben ist ja deshalb vor Allem
so grausam, weil es so wenig Werthe fortbestehen lässt, weil
man je länger die Jahre vorwärtsschreiten desto mehr
verliert, ja verlieren werde. Wie viele Menschen muss man
- um mich geschäftlich auszudrücken, in dem „Kapital-
konto”, darin man seine Freunde und alle Lieben dieses Lebens
verwahrt hält, „abschreiben”, wie viel wird rein durch
den Ablauf der Zeit an „innerem Wert” gemindert! Ich
glaube sagen zu können, dass ich mich in den Menschen
selten getäuscht habe, wenige Irrthümer begangen habe,
- und dennoch, wie viel Enttäuschung hat man
mitmachen müssen! Und schließlich bleibt einem
nur die Resignation übrig. - Mein ältester
Freund - Oesterreich - bringt mir die Kunst