1. Juli 1932.
Lieber Max! Ich bitte Dich, mir ehemöglichst folgende Fragen zu beant=
worten: Ist der derzeitige Landesleiter des Kampfbundes f. D. K. in
Wien Hermann Graedener ein Sohn des verstorbenen Prof. u. Komponisten
Hermann Gr.? Wie alt beiläufig ist er? Was hat er für eine Stellung? Ich habe
vor einigen Wochen bei meinem Salzburger Antiquar einen Roman
dieses Menschen entdeckt, betitelt „Utz Urbuch” ein Bauernkrieg=Fries.
Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein so scheußliches Buch in der
Hand gehabt: hundsgemein von der ersten bis zu letzten Seite: in der Sprache
ein sinnloses Durcheinander willkürlich gebildeter Wurzelwörter: inhaltlich
roh und schweinisch bis zum Eckel. Der Bursche ist auf die gleiche Stufe wie der
Judenstämmling Bronner jun. zu stellen. Ich werde das Buch nächster Tage Hrn. Rosen=
berg nach München bringen, damit er den Hrn. Gr. zum Teufel jagt: der gleich=
wertige Bruckner fliegt dann mit. Dann müssen wir den ganzen Kampfbund
in die Hand bekommen. Ich hoffe diesmal auch mit Hitler zusammenzukommen
und ihm alle meine Pläne vortragen zu können.
Vor drei Wochen habe ich mich in Bad Reichenhall untersuchen lassen, um zu
erfahren, wie es mit meinem Herzen steht. Der Arzt, eine bekannte Mün=
chener Kapazität versicherte mir nach einer eingehenden Unter=
suchung, daß von meiner schweren Erkrankung - es sind jetzt
gerade 2 Jahre her - gar nichts zurückgeblieben sei und daß ich bei
regelmäßiger Diät ein alter Mann werden könne. Nun wie
Gott will! An mir solls nicht fehlen. Von München aus erhältst
Du von mir Bericht. Die Symphonie ist für Innsbruck auf den
11. November festgesetzt. Ziemlich gleichtzeitig kommt sie in Chemnitz
(Dirigent Pillipp Werner) und Bochum (Reichwein). Wann sie in Graz
- unter Mikorey kommt, weiß ich noch nicht.
Herzlichst grüßt Dich u. auch Frau Olga
Dein alter
Sepp.
Lieber Max! Ich bitte Dich, mir ehemöglichst folgende Fragen zu beant=
worten: Ist der derzeitige Landesleiter des Kampfbundes f. D. K. in
Wien Hermann Graedener ein Sohn des verstorbenen Prof. u. Komponisten
Hermann Gr.? Wie alt beiläufig ist er? Was hat er für eine Stellung? Ich habe
vor einigen Wochen bei meinem Salzburger Antiquar einen Roman
dieses Menschen entdeckt, betitelt „Utz Urbuch” ein Bauernkrieg=Fries.
Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein so scheußliches Buch in der
Hand gehabt: hundsgemein von der ersten bis zu letzten Seite: in der Sprache
ein sinnloses Durcheinander willkürlich gebildeter Wurzelwörter: inhaltlich
roh und schweinisch bis zum Eckel. Der Bursche ist auf die gleiche Stufe wie der
Judenstämmling Bronner jun. zu stellen. Ich werde das Buch nächster Tage Hrn. Rosen=
berg nach München bringen, damit er den Hrn. Gr. zum Teufel jagt: der gleich=
wertige Bruckner fliegt dann mit. Dann müssen wir den ganzen Kampfbund
in die Hand bekommen. Ich hoffe diesmal auch mit Hitler zusammenzukommen
und ihm alle meine Pläne vortragen zu können.
Vor drei Wochen habe ich mich in Bad Reichenhall untersuchen lassen, um zu
erfahren, wie es mit meinem Herzen steht. Der Arzt, eine bekannte Mün=
chener Kapazität versicherte mir nach einer eingehenden Unter=
suchung, daß von meiner schweren Erkrankung - es sind jetzt
gerade 2 Jahre her - gar nichts zurückgeblieben sei und daß ich bei
regelmäßiger Diät ein alter Mann werden könne. Nun wie
Gott will! An mir solls nicht fehlen. Von München aus erhältst
Du von mir Bericht. Die Symphonie ist für Innsbruck auf den
11. November festgesetzt. Ziemlich gleichtzeitig kommt sie in Chemnitz
(Dirigent Pillipp Werner) und Bochum (Reichwein). Wann sie in Graz
- unter Mikorey kommt, weiß ich noch nicht.
Herzlichst grüßt Dich u. auch Frau Olga
Dein alter
Sepp.