Reiter, Josef: Brief an Max von Millenkovich-Morold. o.O., 12.1.1934
12. 1. 1934
Lieber Max! Ich habe vorgestern, nachdem ich Dir geschrieben habe, noch im
letzten Augenblick meine paar Markeln zusammengepackt und bin
nach München gefahren, um dem „österreichischen Konzert” bei=
zuwohnen. Das Klopstockvorspiel, vom Reichssymphonieorchester unter
Leitung Adams schneidig und begeistert vorgetragen war der Erfolg
des Abends und ich wurde stürmisch gefeiert. Nach dem Konzerte
setzte ich mit Stolzing zusammen und übergab ihm Partitur
und Klavier Auszug des Bundschuh und den Klavierauszug
vom Klopstock. Stolzing sagte mir, daß er es für das Zweckmäßigste
halte, direkt vom Stabschef Röhm, der, wenn notwendig auch den Führer
zu Hilfe rufen kann, ein Diktat an die Münchener Staatsoper
zu erbitten unter besonderem Hinweis auf meine bedrängte
Lage. Leider konnte ich Stolzing keine Textbücher übergeben.
Das einzige Textbuch, das ich vom Bundschuh hatte, haben mir die
Kölner nicht zurückgeschickt und vom Klopstock besitze ich nur
Textbücher der einaktigen Fassung. Ich nehme an, daß Du
doch mindestens ein Textbuch von beiden Opern hast, vom Klopstock
von der 2 aktigen Fassung und daß Du sie umgehendst an Stolzing
schicken kannst. Daß ich hinsichtlich des Klopstocks absolut für die
Beibehaltung des ursprünglichen Titels und für die Streichung des
ganz nichtssagenden Titels „Ich aber preise die Liebe” bin, weißt Du.
Der Held unseres Werkes ist ja doch der urdeutsche Dichter Klopstock.)
Stolzing will schon in den nächsten Tagen, sobald er erreichbar ist,
zu Röhm gehen. Ein Diktat Röhm - Hitlers hat doch eine ganz
andere Wirkung als wenn wir zu Frankenstein und Knapperts=
busch betteln gingen und dann vielleicht doch abgewiesen
würden.
Herzlichst in Eile
Dein alter Sepp.
) Durch den Titel „Klopstock in Zürich” weiß doch
jeder gebildete Deutsche, um was es sich handelt.