Reiter, Josef: Brief an Elsa von Millenkovich. Wien, 10.1.1915
Hause kommen wird. Seit drei Wochen ist
er bei dem Stab der 46. Brigade unter deutschem
Oberkommando an der Nida. Mein Schwieger=
sohn, der am 3. November verwundet nach Hause
kam (ein Schuß durch das rechte Ellenbogengelenk
und ein Schuß im Rücken) dürfte wahrscheinlich
zurückgestellt (superarbitriert) werden, da sein
Arm vor einem halben Jahre nicht gebrauchs=
fähig sein dürfte. Sonst befindet er sich wohl
und die beiden jungen Leute genießen jetzt
beinahe ein größeres Glück als es Ihnen in
friedlichen Zeiten beschieden gewesen wäre.
Möchten nur für uns Alle recht bald die
ersehnten besseren Zeiten kommen! Wir streben
ja nicht mehr nach dem Glück der Jugend; wir
sind zufrieden mit der Schmerzlosigkeit.
Diese möchte ich zu allererst unserem ge=
liebten, teuren, so unendlich bemitleidens=
werten Vater Milow wünschen. Ach, wer
da helfen könnte! Bitte sagen Sie ihm meine
allerinnigsten und teilnahmsvollsten Grüße
und Wünsche.