Reiter, Josef: Brief an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 12.4.1918
Ich habe damals geschwiegen, obwohl ich vor Scham
fast in den Boden zu sinken vermeinte, weil
ich wußte, was für Dich auf dem Spiele stand.
Ich weiß mich ganz frei von Hochmut, aber ich
habe doch meine Ehre im Leibe und weiß
ganz genau, wer ich bin, insbesondere wenn
ich solch anmaßender Mediocritas gegenüber
stehe.
Die Veröffentlichung des Stadtratsbe=
schlußes wegen meiner Pension ist
eine sehr unangenehme Geschichte. Die Ge=
schichte sollte ganz im Geheimen gemacht wer=
den. Welcher Juden Jüngel das wieder auf=
geschnüffelt hat, weiß ich nicht. Ich muß
dieserhalb nächster Tage mit Stadrat
Tomola sprechen.
Leb wohl!
Herzlichste Grüße
Deines altgetreuen
Sepp.