Reiter, Josef: Brief an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 25.5.1918
neue Beleidigung hinzufügst, indem Du schreibst,
daß Du von nun an nur mehr bei mir
„bestellen” wirst, nartürlich zu „erheblich
billigerem” Tarif, da ich ja nur der Haus=
musikus des Burgtheaters bin. Ich traute
meinen Augen nicht, als ich das las. Also
Musik soll bei mir bestellt werden, wie
man etwa beim Schuster Stiefel bestellt,
aber zu teuer darf der Gewerbsmann nicht
sein. Der arme Teufel von Musikanten,
der Nachfolger des Herrn Nowotny wird
ja froh sein, dabei ein paar Kronen ver=
dienen zu können. Max, daß Du je so
etwas niederschreiben konntest!! Hat
Dich denn das eine Jahr trauriger
Burgtheaterherrlichkeit so ganz verwan=
deln können? Konnten die Ideale so