Reinhart, Werner: Brief an Ernst Krenek. Winterthur, 24.11.1932
WERNER REINHART
RYCHENBERG
WINTERTHUR
Winterthur, den 24. November 1932.
Lieber Herr Křenek!
Es wäre schon längst an mir gewesen, Ihnen wieder
einmal Nachricht von mir zu geben, aber dieses Jahr wird zu Ende
gehen, ohne dass ich zu allem dem kommen werde, was ich gerne getan
hätte. Die Zeiten sind ja aber auch so, dass man weder geschäftlich
noch sonst die nötige Ruhe findet. Ich hoffe sehr, dass es Ihnen
und Ihrer Gattin immer gut geht, und habe auch durch Scherchen, den
Sie jetzt wohl häufiger in Wien sehen werden, von Ihnen gehört.
Ich las auch mit grossem Interesse Ihren Aufsatz im Schweizer Heft
des "Anbruch", der mir sehr gut gefallen hat.
Wie Sie aus unserem Generalprogramm, das ich Ihnen
zustellte, ersehen haben, wird Scherchen am 3.Dezember mit Lucy
Siegrist Ihre Gesänge "Nachtigall" und "O Lacrymosa" hier auffüh-
ren. Ich freue mich ganz besonders, die letztere Komposition nun
auch in der Originalfassung kennen zu lernen, nachdem wir sie so-
weit nur am Klavier,bei der seinerzeitigen Rilke-Feier, von Frau
Wirz-Wyss hörten. Schade, dass Sie nicht in der Nähe sind und
auch wieder einmal bei uns einem Konzert beiwohnen können.
Verzeihen Sie, wenn ich Sie heute, wo ich Ihnen gera-
de schreibe, nun auch noch mit einer Bitte überfalle.
Im Januar werden es 10 Jahre her sein, seit Hermann
Dubs den Häusermannschen Privatchor übernahm. Seine Chormitglieder
hatten nun die hübsche Idee, ihn bei dieser Gelegenheit mit einem
Album zu überraschen, auf dessen einzelnen Blättern sich die