Reinhart, Werner: Brief an Ernst Krenek. Winterthur, 20.12.1933
RYCHENBERG,
WINTERTHUR.
den 20. Dezember 1933.
Lieber, verehrter Herr Krenek,
Ich hätte Ihnen gerne schon eher für die liebens-
würdige Uebersendung des Buches zu Ihrem "Karl V." gedankt,
aber das Jahresende ist für mich leider keine günstige Zeit
zum Briefschreiben. Obwohl ich Ihre Dichtung - und eine sol-
che ist es im wahrsten Sinne des Wortes - erst einmal und auch
ein bisschen eilig gelesen habe, hat mich gleich von Anfang an
die besondere Art, mit der Sie diesen Stoff darstellen, ausser-
ordentlich gefesselt. Ich freue mich, über die Feiertage, die
mir etwas mehr Ruhe bringen werden, mich noch eingehender mit
Ihrem Werk befassen und dann mit Ihnen, wenn wir uns im Januar
sehen, besser als mir dies heute möglich ist darüber reden zu
können. Haben Sie auf alle Fälle vielen Dank, mir schon jetzt
diesen Einblick in Ihr Werk ermöglicht zu haben.
Heute erhielt ich auch Ihren freundlichen Brief vom
17. nebst den Unterlagen für das Programm des Lieder-Abends.
Nun kann ich alles in Ruhe vorbereiten und Ihnen dann einen Kor-
rektur-Abzug zum Mitlesen zustellen. Das Programm selber ist
wirklich sehr schön ausgewählt. Ich bedaure nur nochmals, dass
Bern, was mir schon Schulthess schrieb, leider nun nicht mit-
machen kann. Dagegen werden wir ja die Kantate nun am 23. Januar
im Zürcher Rundfunk nochmals hören können.