Rieger, Erwin: Postkarte an Arthur Roessler. Zürich, 12.12.1918
Lieber Herr Rößler, Zweig und ich bedauern sehr, gar nichts
mehr von Ihnen zu hören. Wie leben Sie in diesen
Tagen? Ich bin im Geiste stets in Wien.- Der Tod Schieles
hat mich sehr betrübt. Was wird noch alles über uns
kommen und wann werden wieder Zeiten sein,
wo man friedlich arbeiten darf? - Darf man noch
an die Avalun-Drucke denken? - Ich wäre so
froh, wieder etwas von Ihnen zu hören! Ich weiß
nicht, wie lange ich hier bleibe. Ich bin aus Verzweif=
lung Droguist geworden und lebe davon. Manchmal
aber packt mich eine entsetzliche Sehnsucht nach dem
Wiener Elend! Empfehlen Sie mich, bitte, der gnädigen
Frau, schreiben Sie bald und seien Sie herzlichst gegrüßt
von Ihrem ER 12/XII.18.