Rieger, Erwin: Postkarte an Arthur Roessler. Zürich, 19.8.1918
Lieber Herr Rößler, ich fühle mich hier un=
beschreiblich wohl - von meinen Fenstern
aus sieht man die Dächer der Stadt
und den See - Ich arbeite an „Aucassin“ -
Leider noch keine Zeile von Ihnen! Es
wäre für mich ungemein wichtig, wenn
ich umgehend vom Verlag einen offiziellen
Auftrag bekäme, damit ich nachweisen
kann, daß ich in den nächsten Mona=
ten geschäftlich hier zu tun habe, ebenso
möchte ich einen Auftrag für irgend
eine Zeitung, der mein Hiersein
notwendig macht. Wenn Sie sich dies=
bezüglich für mich verwenden wollten,
müßt ich Ihnen immer dankbar
sein. Ich schreibe lieber öfter und kurz,
längere Briefe, zumal wenn sie
nicht eingeschrieben und expreß aufge=
geben werden, brauchen unendlich
lang. Ich erwarte mit Ungeduld
Nachricht von Ihnen. - Das Leben ist
doch schön! Empfehlen Sie mich, bitte,
der gnädigen Frau und sind Sie selbst
herzlichst gegrüßt von Ihrem dank=
bar ergebenen ERieger
Ich war gestern bei Dr. Zweig. -