Rilke, Rainer Maria: Brief an Anni Mewes. München, 1918
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ist es ja nicht gleichgültig, in welchen Verhält=
nissen man solche „Pausen” zubringt. Wir stehen
alle unter denselben, fürchterlichen, so dass ich es fast
für meine Schwäche halten muss; ihnen weniger Wi=
derstand entgegenzusetzen, als die meisten Menschen,
denen ich begegne. Was macht sie gesicherter gegen
diese entsetzliche Zeit, die mir fortwährend das Bewusst=
sein mit Beweisen der Zerstörung überfüllt? Ich würde
es noch ertragen, im Augenblick dieser Jahre gehemmt
und widerlegt zu sein; aber die Eindringlichkeit dieser
Eindrücke wirkt bis in meine Erinnerung und wider=
ruft mir dort mein offen gelebtes Leben, als könne
es nicht gewesen sein in einer Welt, die von einem
Tag zum anderen zu solcher Verzerrung fähig war.
Trotzdem es so mit mir steht, weiß ich noch, was
es heißt, Ihren glücklichen Tulpen recht zu geben. Nach=
giebig gegen die eine Freude, die Sie mir ins Zimmer
geschickt haben, mag ich mich der andern nicht verschlie=
ßen, zu der Sie mich führen wollen. Gut. Lassen Sie