Röbbeling, Hermann: Brief an Franz Karl Ginzkey. Wien, 29.4.1932
DIREKTION
DES BURGTHEATERS
Wien, 29.April 1932.
Herrn Dr.phil.h.c. Franz Karl Ginzkey,
Salzburg, Imbergstrasse 26.
Sehr verehrter Herr Doktor,
besten Dank für die Einsendung Ihres Szenariums. Nach einge=
hendem Studium muss ich Ihnen jedoch folgendes erwidern. Der
Stoff ist zu einem Drama leider nicht ausreichend. Es sind nur
aneinandergereihte Szenen,ohne eine starke dramatische Handlung.
Wenn die Ausführung auch noch so schön werden dürfte, woran ich
keinen Augenblick zweifle, so ist das Ganze doch für das Theater
nicht stark genug. Ich habe Ihnen schon einmal mündlich gesagt,
daß die Bühne nur von einer starken Handlung leben kann. Die
schönsten Dialoge lassen das Publikum kalt, das nur durch eine
starke Handlung gefesselt werden kann.
Es wäre darum jammerschade, wenn Sie die viele Arbeit und
Mühe an diesem Stoff verwenden würden. Darf ich Ihnen vorschlagen,
sich ein anderes Thema zu suchen, vielleicht finden Sie etwas in
der französischen Literatur, ich meine ein ähnliches Stück wie
„Das Glas Wasser“ von Scribe. Auf alle Fälle aber sehen Sie da=
rauf, daß das Thema als solches dramatisch genug für die Bühne
ist. Die Verse sind ja nur eine gefällige Form, in die der Dialog
gekleidet wird.Sie können bei aller Schönheit niemals eine Hand=
lung ersetzen.