Sklarek, Elisabet: Postkarte an Elise und Helene Richter. Berlin, 30.8.1915
B. d. 29. VIII. 15.
[D] Kriegsstruwelpeter kenne ich nicht. - Von wem ist er?
Liebe Freundinnen, vielen, vielen Dank für Ihre
so lieben, teilnahmevollen Zeilen. Ja, das weiß ich,
daß wir bei Ihnen immer Teilnahme u. Verständnis
finden. - Nun sind Sie schon wieder daheim! Wie
schade, daß das Wetter Sie früher heimführte, als Sie
beabsichtigten. Gastein muß wunderschön sein; es stand
schon immer einmal auf unsern Sommerplänen. Aber
wann wird d. Zeit wieder kommen, wo wir hinaus können?
Während d. Krieges ist es ganz ausgeschlossen. Peter könnte
höchstens einmal 8 Tage Urlaub bekommen, u. ich zweifle
sehr, daß die ihm gut tun würde. Er ist jetzt nur einiger=
maßen gestimmt, wenn er tüchtig für d. Lazarett zu tun
hat. Muße taugt ihm nicht. U. ich wüßte niemanden, der
mich bei den Eltern vertritt. Meine hallenser Cousine, die es
viell. könnte, ist seit Kriegsbeginn Hilfsschwester in einem
Lazarett. Ich hätte keine Ruhe, wenn ich fort wäre, u. mein
Bruder wäre wohl auch d. ganze Zeit unruhig. - Es geht seit
ein paar Tagen leidlich; aber ohne Sorge bin ich nie. D. Zustand
ändert sich zu schnell, u. jetzt, wo nun auch noch d. Arzt der
die Eltern so liebevoll betreute, dahin ist u. sein vorläufiger
Nachfolger (der definitive ist auch im Feld) doch ein Fremder
ist -, kann ich sie kaum allein lassen. - Haben Sie
Ihre Lazaretttätigkeit wieder aufgenommen, l. Elise? Das muß
herzerfreuend sein. Es ist doch eigen, wie diese männlich-