Rosegger, Peter: Brief an Adam Müller-Guttenbrunn. Krieglach, 16.6.1917
Dr. Peter Rosegger
Krieglach. 16. VI. 1917
Geehrter lieber Freund!
Nur wenig komme ich mehr zum Lesen,
es fehlt mir die Sammlung. Aber Ihren
„Joseph den Deutschen” habe ich mit Spannung
u. teilweise unter heftiger Erschütterung
gelesen. Also, da wäre er ja wieder,
Joseph, der Freund jenes Waldbauern=
buben, den dieser einst in Wien suchte. –
In seiner ganzen Grösse u. Tragik.
Die dichterische Schilderung des Papstbesuches
in Wien haben Sie sich entgehen lassen, u.
gerade dieses Effektes wegen wollte ich
einmal einen Josephroman schreiben.
Aber nun merk ich, daß sich das nicht
machen lassen würde bei einem Gemüth,
das strenge historisch sein soll; es muß
sich wol manche dichterische Freiheit ver=
sagen.
Der „grosse Schwabenzug”, „Barm=
herziger Kaiser” haben uns gut vor=
bereitet für das Hauptwerk, welches