JOSEPH ROTH
Marseille Hotel Beauvau
6. II. 1929.
Lieber Oskar Maurus Fontana,
ich erinnere mich nicht, ob ich Ihnen schon über Ihr Buch geschrieben habe. Ich schreibe also auf jeden Fall
noch einmal.
Ich habe es in einem Zuge gelesen und sehr bedauert, daß es nicht sorgfältig genug herausgegeben worden
ist. Der Verlag ist schä[n]dlich leichtsinnig damit umgegangen.
Es hat nach meiner Ansicht einen Fehler im Ganzen, der zugleich sein Vorzug ist: Sie behandeln mit
Vorliebe jene Seiten der Ereignisse, die einen außerordentlichen Glanz haben. Es ist, wie wenn die Woche
aus lauter Sonntagen bestünde. Es sind also zu wenig Wochentage in dem Buch. Ich meine: Sie unterstreichen
die „Romanhaftigkeit” darin. Daraus kommt allerdings seine unwahrscheinliche satte Farbe. Ich hätte aber
gewünscht, etwas „Gewöhnliches” dazwischen zu sehn.
Einmal - für den Fall, daß Sie einmal zu einer Neuausgabe kommen - ist eine französische Wendung
incorrect. Das heißt: wörtlich aus dem Deutschen, nicht französisch.
Der Schluß ist ganz ausgezeichnet, wie das Ende eines Fackelzugs, wenn man nach Haus geht.
Wie geht es Ihnen?
Herzlichst Ihr alter
Joseph Roth.
Marseille Hotel Beauvau
6. II. 1929.
Lieber Oskar Maurus Fontana,
ich erinnere mich nicht, ob ich Ihnen schon über Ihr Buch geschrieben habe. Ich schreibe also auf jeden Fall
noch einmal.
Ich habe es in einem Zuge gelesen und sehr bedauert, daß es nicht sorgfältig genug herausgegeben worden
ist. Der Verlag ist schä[n]dlich leichtsinnig damit umgegangen.
Es hat nach meiner Ansicht einen Fehler im Ganzen, der zugleich sein Vorzug ist: Sie behandeln mit
Vorliebe jene Seiten der Ereignisse, die einen außerordentlichen Glanz haben. Es ist, wie wenn die Woche
aus lauter Sonntagen bestünde. Es sind also zu wenig Wochentage in dem Buch. Ich meine: Sie unterstreichen
die „Romanhaftigkeit” darin. Daraus kommt allerdings seine unwahrscheinliche satte Farbe. Ich hätte aber
gewünscht, etwas „Gewöhnliches” dazwischen zu sehn.
Einmal - für den Fall, daß Sie einmal zu einer Neuausgabe kommen - ist eine französische Wendung
incorrect. Das heißt: wörtlich aus dem Deutschen, nicht französisch.
Der Schluß ist ganz ausgezeichnet, wie das Ende eines Fackelzugs, wenn man nach Haus geht.
Wie geht es Ihnen?
Herzlichst Ihr alter
Joseph Roth.